Uninformierte Politiker

Wir sind sicher, dass die regierenden Kieler Parteien sich ebenfalls gegen die Stadtbahn wenden würden, wenn Sie sich die Mühe machen würden, die eigenen Studien und Statistiken zu lesen. Leider scheint das nicht der Fall zu sein, wie beispielsweise die folgenden Aussagen belegen:

 

Ministerpräsident Daniel Günther: "Kiel und die Kiel-Region wachsen. Auch die Wirtschafts- und Pendlerverkehre nehmen zu. Die bestehenden Verkehrsinfrastrukturen werden weder den heutigen noch den zukünftigen Bedarfen gerecht. Deshalb ist ein deutlicher Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs am Mobilitätsmix wichtig" (LOI Günther / Kämpfer, 12.24).

Im Gegensatz dazu die Gutachter:

  • Die Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahlen bleiben bis 2035 insgesamt stabil, dabei sind z.B. die Neubaugebiete Meimersdorf und das nun fragliche MFG5-Gebiet eingerechnet worden (IBS1-Bericht, S.18), obwohl beide von der Stadtbahn gar nicht bedient werden.
  • Die Überlastung des heutigen ÖPNV ist maximal 2%. Siehe hier und hier.
  • Die zukünftige Überlastung nimmt laut Gutachter sogar weiter ab und erreicht 0%, die durchschnittliche Auslastung des Ohnefalls ist 47%, die des Mitfalls nur 31% (siehe die Seite "soziale Nachhaltigkeit", bzw. den IBS1-Bericht).

 

Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer„Derzeit haben wir einen mickrigen ÖPNV-Anteil am Gesamtverkehr von nur zehn Prozent. Langfristig wollen wir auf 20 Prozent kommen. Das ist gar nicht so ehrgeizig, wie es klingt, sondern ist der Durchschnitt von Großstädten mit einem modernen ÖPNV“ (Westwind, Frühjahr 2023, S.5)

Im Gegensatz dazu die Fakten: 

  • Laut Grundlagenstudie, Trassenstudie und IBS1-Bericht kommt es nicht annähernd zu einer Verdoppelung der Fahrgastzahlen. Siehe hier.
  • Die Stadtverwaltung kann weltweit nicht eine einzige Stadt nennen, bei der es durch die Einführung einer Stadtbahn zu einer Verdoppelung der Fahrgäste gekommen ist. Drei genannte Städte halten einer Überprüfung nicht stand: Hier Montpellier, hier Freiburg, hier Kassel

 

Verkehrsdezernentin Alke Voß„Der Ohnefall ist ja das, was jetzt ist.“ „Der Ohnefall würde ja bedeuten, dass wir nichts tun.“„Den Ohnefall sehen wir ja einfach als Messwert an im Vergleich zu etwas tun ... einfach eine volkswirtschaftliche Größe und deswegen ist der Ohnefall einfach mal nichts, was wir real umsetzen können...“ Ratsversammlung vom 20.3.25

Im Gegensatz dazu die Gutachter: "Der Ohnefall ist ein Bestandteil der Standardisierten Bewertung. Er stellt einen die Weiterentwicklung des Ist- Zustandes im öffentlichen Verkehr dar, falls das HÖV- System (Tram oder BRT) nicht eingeführt wird. Der Ohnefall muss realistisch und umsetzbar sein, eine formale Grundlage besitzen (z.B. Bestandteil eines Nahverkehrsplans sein) und mit dem Zuwendungsgeber abgestimmt werden" (Trassenstudie AP123.2, S.73).

 

Ehemalige Vorsitzende der SPD Kiel, Gesine Stück: "Offensichtlich hat Tobias von der Heide keinen Plan, wie es in Kiel mit dem Verkehr weitergehen soll, wenn jedes Jahr 10.000 Autos dazukommen. Die Taktung der Busse soll erhöht werden? Wie das denn? Die Fachwelt sagt etwas anderes" (SPD Pressenotiz).

Im Gegensatz dazu die Fachwelt:

  • Der Bestand privater PKW ist in Kiel seit 2020 rückläufig, von 2015 bis 2024 sind kumuliert nur 5.808 PKW dazu gekommen und nicht 90.000 wie behauptet (Kieler Zahlen).
  • Die Gutachter empfehlen für den Ohnefall Taktverdichtungen der Buslinien 9, 11, 12, 13, 14, 15, 21, 22, 30S, 90S (Trassenstudie, AP 123.2)

 

Mobilitätspolitische Sprecherin, Tabea Philipp-Beeck: „Unser gemeinsames politisches Ziel ist, die Zahl der Nutzer*innen des ÖPNV zu verdoppeln. Dass das nicht allein durch einen Ausbau des Busverkehrs gelingt, hat das Gutachten eindeutig gezeigt. Dies leuchtet allein deswegen schon ein, da wir bereits jetzt zu wenig Busfahrer*innen haben, um das ganze Busnetz zu bedienen" (SPD Pressenotiz).

Im Gegensatz dazu die Gutachter:

  • Im Mitfall werden 16 Bahnen und 111 Busse benötigt, also 127 Fahrzeuge. Im Ohnefall sind es 128 Busse. Die Anzahl Fahrer ist also bis auf ein Fahrzeug identisch (IBS1-Bericht, S.44). 
  • Zusätzlich benötigt die Stadtbahn einen eigenen Betriebshof und eine separate Organisationsstruktur mit eigenem spezialisiertem Personal.
  • In die Stadtbahn (MitfallI steigen nur 0,8% mehr Fahrgäste als in die Busse (Ohnefall) (IBS1-Bericht, Anhang Blatt 4-4)