Kiel Schilksee: Moderner, elektrisch betriebener eBus der Kieler KVAG beim Ladevorgang neben einem herkömmlichen Diesel-Gelenkbus.
E-Busse als Alternative
Die Bundes- und Landesregierung wird die Kieler Stadtbahn nur fördern, wenn es eine konkret umsetzbare Alternative (Ohnefall) gibt und sich die Stadtbahn (Mitfall) nach einem standardisierten Berechnungsverfahren als besser herausgestellt hat.
Für die Gutachter ist ein optimierte E-Bus Netz die beste konkret umsetzbare Alternative zur Stadtbahn. Es basiert z.B. auf Prognosen zur Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung bis zum Jahr 2035. So sind zum Beispiel die großen Bauvorhaben in Meimersdorf und auf dem MFG5-Gelände ebenso in die Prognose eingeflossen wie die geplante Südspange und die neuen Regionalbahnlinien nach Schönberg und Lübeck. Ebenso wichtig ist, dass das bestehende Busnetz bis 2035 durch neue Linienführungen und Taktverdichtungen weiterentwickelt wurde.
In der Trassenstudie wurde das optimierte E-Bus Netz als „Ohnefall“ ausführlich beschrieben und im Rahmen des IBS1-Berichts mit der Stadtbahn verglichen. Hier die Berichte:
Wer die Berichte nicht lesen möchte sollte wissen, was laut IBS1-Bericht spezifisch in Kiel gemeint ist, wenn von Ohnefall und Mitfall gesprochen wird:
- Mitfall = 127 Fahrzeuge (16 Bahnen + 111 Busse)
- Ohnefall = 128 Busse
- Der Ohnefall hat nichts mit einem BRT-System (Bus-Rapid-Transit-System) zu tun. Dabei handelt es sich um 25 m lange Gelenkbusse, die wie die Stadtbahn eine eigene Fahrbahn und Oberleitungen benötigen.
Warum setzen wir uns für E-Busse ein? E-Busse sind bereits heute das bewährte Rückgrat des KVG. Die von der Stadt beauftragten Gutachter belegen deren Vorteile gegenüber einer Stadtbahn eindeutig anhand von Zahlen. E-Busse:
- bringen Fahrgäste schnell und zuverlässig ans Ziel
- sind zur Hauptverkehrszeit nie überlastet und im Durchschnitt nur zu 47% ausgelastet
- stoßen während der Fahrt weniger CO2 aus als eine Stadtbahn
- benötigen deutlich weniger Energie als eine Stadtbahn
- benötigen keine eigene Trasse, der 1.000 Bäume zum Opfer fallen
- verursachen kein 10-jähriges Bauchaos in Kiel
- können Behinderungen im Straßenverkehr flexibel umfahren,
- verschandeln das Stadtbild nicht mit Oberleitungen und Leitungsmasten,
- fahren genauso 100% barrierefrei wie eine Stadtbahn,
- benötigen weniger Personal als die Stadtbahn,
- verursachen jährlich 2,2 Millionen € weniger Personalkosten als die Stadtbahn,
- verursachen deutlich weniger Unfälle als eine Stadtbahn,
- kosten mindestens 1 Milliarde € weniger als die Stadtbahn
Noch wichtiger als die Aussagen der Gutachter erscheint uns jedoch, dass wir Fahrgäste unseren E-Bussen in einer Umfrage auf einer Skala von 1 bis 5 die historische Bestnote 1,83 gaben. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wurden mit den Noten 1,79 und 1,77 sogar besser als alle anderen Kriterien bewertet.
E-Busse im heutigen Betrieb:
Alle Gelenkbusse des Kieler KVAG haben Absenkfunktionen und ausklappbare Rampen z.B. für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen. Die Rampen werden allerdings nur benutzt, wenn Haltestellen noch nicht den gesetzlich geforderten Normen entsprechen. Kiel kann sich den Umbau der Haltestellen leider nur Schritt für Schritt leisten.
Die Absenkfunktion der Gelenkbusse und die gesetzlich vorgeschriebenen barrierefreie Haltestellen ermöglichen geringe Spalte zwischen Bürgersteig und Türkante. So kann die Dame mit dem Rollator bequem und ebenerdig einsteigen.
Das Ohnefall wie in der IBS1 beschrieben, unterscheidet sich jedoch deutlich vom Ohnefall, wie er noch in der Trassenstudie beschrieben wurde.
- In der Trassenstudie wird das gesamte Kieler Busnetz betrachtet, im IBS1-Bericht nur einige Linien.
- In der Trassenstudie werden bauliche Maßnahmen zur Bevorrechtigung des Busverkehrs an neuralgischen Punkten und Streckenabschnitten in Kiel beschrieben und berechnet, im IBS1-Bericht nicht.
- Die Trassenstudie zeigt, dass Busse bis zu 68.000 zusätzliche Fahrgäste aufnehmen könnten. Der IBS1-Bericht nennt hier keine Zahl.
Wir plädieren für die in der Trassenstudie beschriebene alternative Buslösung inklusive Investitionen für Infrastruktur